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Liefern Sie brisante Ware an „Schurkenstaaten“?

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Geschäftsbeziehungen ins Ausland sind mitunter intransparent. Auf der anderen Seite bestehen hohe Anforderungen an die Compliance. In den letzten Blog Posts hatten wir schon häufiger das Thema, wie man Geschäftsbeziehungen in möglicherweise problematische Länder analysiert. Zu nennen sind hier zunächst Zahlungen in Länder, den man bzgl. Geldwäsche misstrauen könnte und auch das Thema Exportbeschränkungen. Im heutigen Blog Post möchte ich diese Thematik komplettieren und Ihnen näherbringen, wie man brisante Lieferungen in „Schurkenstaaten“ in SAP analysieren könnte.

In unserer „Schurkenstaaten“-Reihe hatten wir bereits die Themen

Diesmal schauen wir uns an, was brisante Lieferungen an „Schurkenstaaten“ sein könnten und wie wir diese dann anschließend in SAP identifizieren können.

Um diese Thematik operationalisierbar zu machen müssen natürlich ganz klar zwei Dinge definiert sein:

  1. Wann gilt ein Land als „Schurkenstaat“ bzw. „unzuverlässiges Land“?
  2. Was ist eine „brisante Lieferung“?

Für beide Kriterien mache wird im folgende eine Arbeitsdefinition gegeben und anschließend nutzen wir dann diese, um in SAP die betroffenen Lieferungen zu finden.

Was sind „Schurkenstaaten“?

Dieses Kriterium haben wir schon öfter genutzt. In diesem Blog Beitrag wurde es ausführlich erklärt. An dieser Stelle also nur nochmal eine kurze Zusammenfassung.

Diverse Organisationen beschäftigen sich mit der Klassifizierung von Ländern hinsichtlich des Umfangs von Korruption. Das Gebiet ist sehr weitläufig, weshalb die Organisationen unterschiedliche Schwerpunkte, wie z.B. Geldwäsche, Finanzierung von Atomwaffen oder ähnlichem haben. Die nichtstaatliche Organisation Transparency International veröffentlicht zum Beispiel jedes Jahr den Korruptionswahrnehmungsindex (kurz CPI), -eine Liste zum wahrgenommenen Korruptionsniveau. Demnach finden sich die skandinavischen Länder (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland) unter den Top6 mit der geringsten wahrgenommen Korruption. Deutschland belegt immerhin Platz 10. Doch der Blick ans Ende der Liste soll uns für die Analyse in SAP als Grundlage dienen:

RangLandScore
166Irak17
166Venezuela17
168Guinea-Bissau16
169Afghanistan15
170Jemen14
170Libyen14
170Sudan14
174Nordkorea12
175Südsudan11
176Somalia10

Nun ist es natürlich abhängig von Ihrem Unternehmen, Ihrer Branche und Ihren Handlungsbeziehungen, aber diese Länder wollen wir in der Regel nicht bei kriminellen Machenschaften mit Geldern aus unserem Unternehmen unterstützen. Die Top10 der größten „Schurkenstaaten“ hätten wir damit schon einmal identifiziert.

Was sind „brisante Lieferungen“?

„Brisante Lieferungen“ ist natürlich zunächst mal ein plakativer Begriff. Woran kann man „brisante Lieferungen“ festmachen? Ein Blick in die Merkmale der Materialstammdaten kann hier helfen. Die Materialstammdaten in SAP befinden sich in der Tabelle MARA. In den Materialstammdaten werden auch Hinweise gespeichert darauf, ob Materialien Gefahrenstoffe darstellen, da diese natürlich für Zwecke der Logistik besonders gehandhabt werden müssen. Ein Blick auf die Attribute in die SAP Tabelle MARA lassen dafür folgende Datenfelder relevant erscheinen:

  • Datenfeld HAZMAT (Gefahrstoffrelevant)
  • Datenfeld STOFF (Gefahrstoffnummer)
  • Datenfeld PROFL (Profil für Gefahrgutkennzeichen)
  • Datenfeld DG_PACK_STATUS (Gefahrgut-Verpackungsstatus)

Mit diesen Informationen können Sie zunächst einmal prüfen, ob sich relevante Materialien in Ihrem SAP System befinden. Nutzen Sie zur Ausführung der folgende SQL Queries die Transaktion „DBACOCKPIT – Diagnose – SQL-Editor“.

Folgendes SQL Query recherchiert gefahrenstoffrelevante Materialien:

SELECT MARA.MANDT, MARA.MATNR, MAKTX FROM MARA, MAKT WHERE ( PROFL NOT LIKE '' OR DG_PACK_STATUS NOT LIKE '' OR STOFF NOT LIKE '' OR HAZMAT NOT LIKE '' ) AND MARA.MANDT = MAKT.MANDT AND MARA.MATNR = MAKT.MATNR AND MAKT.SPRAS='D'

Kombiniere „Schurkenstaaten“ mit „brisanten Lieferungen“

Jetzt, wo eine Definition für „Schurkenstaaten“ und „brisante Lieferungen“ steht, können wir beide Definitionen nutzen und die tatsächlichen Lieferungen in SAP im Hinblick auf die „brisanten Materialien“ im Zusammenhang mit den Ländern auswerten. Lieferungen in SAP stehen in den Tabellen LIKP (Lieferscheine) und LIPS (Positionen in den Lieferscheinen). Das Bestimmungsland (Land, in das geliefert wurde) holen wir uns aus den Kundenstammdaten (Tabelle KNA1).

SELECT LIKP.MANDT, LIKP.VBELN, LIPS.MATNR, KNA1.KUNNR, KNA1.LAND1 FROM (SELECT MANDT, MATNR FROM MARA WHERE PROFL NOT LIKE '' OR DG_PACK_STATUS NOT LIKE '' OR STOFF NOT LIKE '' OR HAZMAT NOT LIKE '') DANGEROUS_MATERIAL JOIN LIPS ON (DANGEROUS_MATERIAL.MANDT=LIPS.MANDT AND DANGEROUS_MATERIAL.MATNR=LIPS.MATNR) JOIN LIKP ON (LIPS.MANDT=LIKP.MANDT AND LIPS.VBELN=LIKP.VBELN) JOIN KNA1 ON (KNA1.MANDT=LIKP.MANDT AND KNA1.KUNNR=LIKP.KUNNR) ORDER BY KNA1.LAND1, LIKP.MANDT, LIKP.VBELN

Das dargestellte SQL Query listet alle Lieferungen (VBELN=Lieferscheinnummer) von Gefahrstoffen (MATNR) an Kunden (KUNNR) in ein bestimmtes Land (LAND1) sortiert nach Länderkürzel.

Die Texte für die Länderkürzel finden Sie im SAP Table T005T.

Wenn Sie bestimmte Länder, z.B. Deutschland und die USA, von der Analyse ausschließen wollen, dann fügen Sie vor dem ORDER BY die folgende WHERE Bedingung ein:

WHERE KNA1.LAND1 NOT IN (‚DE‘,’US‘)

Fokussieren Sie bei der Detailanalyse der Ergebnismenge dann auf Länder, die Sie als problematisch ansehen.

Zu kompliziert?

Wenn Ihnen die Analyse zu technisch oder „programmier-lastig“ ist: auch ohne Programmierkenntnisse können Sie bei diesem Thema weiterkommen. Bei Datensätzen mit weniger als 50.000 Einträgen in der SAP Tabelle „BKPF“ ist zap Audit sogar kostenlos.

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